Viele bekannte Künstler haben im Laufe ihres Lebens die Ostsee besucht. Nicht Jeder war zunächst von der Aussicht auf einen Urlaub an der Ostsee begeistert.
So schrieb Schiller an Goethe am 28. Juni 1801: „Aber auch mir droht eine lange Zerstreuung, denn mein Entschluß ist nun ernstlich gefaßt, in etwa drei Wochen an die Ostsee zu reisen, dort das Seebad zu versuchen und dann über Berlin und Dresden zurückzugehen. Viel Vergnügen erwarte ich mir zwar nicht von dieser Reise, ja in Berlin fürchte ich peinliche Tage, aber ich muss neue Gegenstände sehen, ich muss einen entscheidenden Versuch über meine Gesundheit machen; ich wünsche einige gute Theatervorstellungen, wenigstens einige vorzügliche Talente zu sehen und, da es keinen großen Umweg kostet, auch die alten Freunde wieder zu sehen. Meine Erwartungen sind so, daß sie eher übertroffen, als getäuscht werden können. Übrigens hoffe ich auf den zehnten September wieder zurück zu sein, denn ich werde schnell reisen, und mich nur zwölf Tage in Dobberan, eben solang in Berlin und sechs Tage in Dresden verweilen. Bei meiner Zurückkunft hoffe ich Sie heiter und gesund wieder anzutreffen und vielleicht selbst an Wohlsein gewonnen zu haben.“
Die Aussicht auf eine Verbesserung der Gesundheit durch die Seeluft ist auch heute noch ein Aspekt, der zum Wohlbefinden beim Urlaub an der Ostsee beiträgt.
Viele Künstler folgten aber auch dem Ruf der Ostsee als einer von der Natur besonders begünstigten Landschaft.
Maler wie Caspar David Friedrich besuchten nicht nur die Ostsee, sie machten mit ihren Werken die Landschaft berühmt.
So kennt fast Jeder das von Caspar David Friedrich stammende, Bild von den Kreidefelsen auf Rügen. Das Original hängt im Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten in Winterthur.
Andere Künstler ließen ganze Erzählungen an der Ostseeküste spielen. So findet die Ostsee in den Werken von Theodor Storm häufig ihren verdienten Platz. Man denke Nur an die Novelle Hans und Heinz Kirch von Storm.
Die Ostsee wurde oft genug zum Treffpunkt von Künstlern, um sich mit einander auszutauschen. So hat beispielsweise Ahrenshoop am Darß seit dem frühen 20. Jahrhundert den Ruf als Künstlerdorf erworben und erhalten.
Auch Hiddensee war schon zu früheren Zeiten ein beliebter Treffpunkt von Künstlern. Beispielsweise kam Joachim Ringelnatz mit seiner Frau gern hierher. Von den Besuchen sind teils skurril anmutende Anekdoten erhalten geblieben. So grub er zum entsetzen der Gastgeber mit Hilfe von Freunden einmal deren Garten um, um mitgebrachte Samen als Geschenk einzupflanzen. Ringelnatz hat es sich nicht nehmen lassen, seinem beliebten Urlaubsziel ein Gedicht zu widmen.
INSEL HIDDENSEE
Kühe weiden bis zum Rande
Großer Tümpel, wo im Röhricht
Kiebitz ostert. — Nackt im Sande
Purzeln Menschen selig töricht.
Und des Leuchtturms Strahlen segnen
Eine freundliche Gesundheit.
Andrerseits: Vor steiler Küste
Stürmen Wellen an und fliehen. —
Nach dem hohen Walde ziehen
Butterbrote und Gelüste.
Fischerhütten, schöne Villen
Grüßen sich vernünftig freundlich.
Steht ein Häuschen in der Mitte,
Rund und rührend zum Verlieben.
„Karusel“ steht angeschrieben.
Dieses Häuschen zählt zu Vitte.
Asta Nielsen — Grischa Chmara,
Unsre Dänin, und der Russe —.
Auf dem Schaukelpolster wiegen
Sich zwei Künstler deutsch umschlungen. —
Gar kein Schutzmann kommt gesprungen. —
Doch im Bernstein träumen Fliegen.
Um die Insel rudern, dampfen,
Treiben, kämpfen Boote, Bötchen.
Joachim Ringelnatz
Viele Werke berühmte rund regional bekannter Künstler finden sich in den zahlreichen Museen an der Ostseeküste. Auch heute leben viele Künstler und Kunsthandwerker in der Ostseeregion. So finden Besucher auch in kleinen Städten und in Bauernhöfen Galerien mit den Werken heimischer Künstler. Oft wird auch ein Einblick in die Produktionsstätten und Ateliers gewährt.
Ein Besuch lohnt sich.
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am Dienstag, den 21. August 2007 um 10:46 Uhr veröffentlicht
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