Die Kurische Nehrung: Sahara an der Ostsee
Fast 100 Kilometer Sandstrand erstreckt sich entlang der Kurischen Nehrung, einem zwischen 400 und 4000 Meter breite Küstenstreifen entlang der russischen und litauischen Ostseeküste. Durch die touristische Erschließung der Region werden die malerischen Fischerdörfer entlang der Küste auch für deutsche Urlauber immer attraktiver.
Schon Thomas Mann zeigte sich tief bewegt von dem 98 km langen Landstreifen zwischen Klaipeda (Memel), das heute zu Russland gehört, und Lesnoi (Sarkau) im heutigen Litauen. Mit den Worten Wilhelm von Humboldts beschrieb er die Kurische Nehrung als “so merkwürdig, dass man sie eigentlich ebenso gut wie Italien oder Spanien gesehen haben muss, wenn einem nicht ein wunderbares Bild in der Seele fehlen sollte.”
Die Kurische Nehrung, deren Name sich vom Volk der Kuren ableitet, entstand vor etwa 7000 Jahren durch Sandanspülungen und auch heute noch befindet sich der schmale Landstreifen durch die Einflüsse von Wind und Wasser in ständiger Bewegung. Je nach Bodenbefestigung wandern die Sandberge und mit ihnen die Küstenlinie bis zu 6 Metern im Jahr Richtung Osten. Die Längsküstenströmung sorgt Ostsee-seitig für einen relativ flachen Strand, der Badegäste aus aller Welt anzieht. Insbesondere das touristisch schon recht gut erschlossene Nida (Nidden) im litauischen Teil der Kurischen Nehrung ist ein beliebtes Reiseziel für Einheimische und zunehmend auch für deutsche Urlauber und finanzstarke Touristen aus der ehemaligen Sowjetunion.
Der “Schwiegermutterberg”, ein etwas abseits der Fischerdorfes Nida gelegener Hügel, hatte es Katia und Thomas Mann angetan. Im Sommer 1930 bezogen sie mit ihren Kindern ein kleines Sommerhäuschen, das sie seit ihrem ersten Besuch ein Jahr zuvor hatten errichten lassen. In der Hochsaison drängen sich Besucher zu Dutzenden über die knarrenden Holzdielen der sommerlichen Behausung und sind überrascht über die Bescheidenheit des Feriendomizils. Der Baustil ist den traditionellen Bauernhäusern der Nehrung nachempfunden. Ein wenig Phantasie muss man beim Betreten des zu einem Kulturzentrum umfunktionierten Sommerhauses jedoch schon mitbringen: Das Inventar ist den politischen Stürmen des 20. Jahrhunderts zum Opfer gefallen.
Der russische Teil der Kurischen Nehrung ist touristisch noch weitaus weniger erschlossen. Jedoch auch hier sucht man Bettenburgen entlang der Küste vergeblich. Kaliningrader flüchten bei schönem Wetter in Scharen in ihre Wochenendhäuschen, die sie teilweise auch recht günstig vermieten. Die russische Ostseeküste der Enklave Kaliningrad und das Kurische Haff gehören zur touristischen Entwicklungszone Russlands und es ist davon auszugehen, dass sich die Zahl der Touristen in den nächsten Jahren weiter erhöhen wird.
Noch kann man dank des sanften Tourimus in der Region die seltsam entrückten Sommer, wie sie Thomas Manns Tochter Monika beschrieben hat, erleben: “Wir schweiften durch die schier endlosen fein- und weißsandigen Dünen, durch die endlosen Kiefernwälder, wo der Salzwind rauscht. Und wir ließen uns von Sonne und Wind bräunen und beleben, ließen einen Tag um den anderen sorglos vergehen.” Gerade an langen Sommertagen muten die vom Licht des Sonnenuntergangs rötlich schimmernden Sandberge wie aufgewehte Dünen in der Sahara an. Ein grandioses Schauspiel, das man sich nicht entgehen lassen sollte.
Reisende in den russischen Teil der Kurischen Nehrung sollten bedenken, dass für Russland nach wie vor Visumszwang besteht. Man sollte sich also rechtzeitig um entsprechende Dokumente bemühen. Informieren Sie sich auch bei Ihrem Reiseveranstalter. Weitere Eindrücke von der landschaftlichen Schönheit und Tipps für eine Dünenwanderung erhalten Sie unter www.schwarzaufweiss.de
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