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Ostsee-Erinnerungen

Meine “Ostsee-Karriere” begann ich als Kleinkind. Es existieren Bilder in elterlichen Fotoalben von mir, wie ich mit einer Schippe bewaffnet im Schutz von Strandkörben den Ostseestrand umgrabe. Bekleidet bin ich dabei lediglich mit einem Sonnenhut, der so ein bisschen aussieht, wie eine fliegende Untertasse.Erstaunlicherweise ziehe ich die schippe nicht meiner Schwester über den Kopf. Entweder existieren davon keine Fotos oder ich war ein sehr braves Kind. In meiner Erinnerung fehlen jedoch bewusste erste eindrücke von der Ostsee. Es gibt verschwommene Erinnerungen an Strände, aber vielleicht hat sich die Ostsee ja bereits im Kleinkindalter tief in meinem Bewusstsein verankert. Es würde meine heutige Affinität erklären.

Es folgte nach dem Kleinkindalter erst einmal eine ganze Weile eine Art Ostseepause. Meine Eltern zog es an südlichere Strände. Als ich ca. 12 Jahre alt war, näherten wir uns erneut der Ostsee. Dieses Mal von der dänischen Seite. die Ostsee zeigte in diesem Urlaub nicht ihr bestes Wettergesicht. Statt Strandurlaub wurde in dicken Pullovern alles besichtigt, was es zu besichtigen gab. Mir gefiel es gut. Der Knutenborg-Safaripark war ein echter Höhepunkt der Reise. Tief in meiner kindlichen Erinnerung verankerten sich auch rote Würste. Dänische Fußballfans singen gerne: “We are red, we are white, we are danish dynamite”. Vielleicht ist das auch eine Lobeshymne auf die Würste. Zumindest war ich nach dem Urlaub nicht gegen die Ostsee abgeneigt. Trotzdem dauerte es wieder eien gehörige Weile, bis ich erneut zur Ostsee fuhr.

Der Mauerfall ließ die Ostsee deutlich näher an Berlin heran rücken, wenn man wie ich aus dem Westteil kam. So nutzte ich die Gunst der Stunde, um mit einem Zelt bewaffnet hoch an die Küste zu fahren. Ich fand einen Zeltplatz bei Lubmin, der eigentlich geschlossen war, aber trotzdem das Zelten erlaubte, da ich mit der Bahn angereist erhebliche Probleme gehabt hätte, zum nächsten offenen Zeltplatz zu gelangen.Die Küste war beeindruckend schön. Der Zeltplatz lag auf einer Rasenfläche oberhalb des Strandes. Ich war von der Unberührtheit des Strandes enorm angetan. In Berlin sind die Seen selbst bei mäßigem wetter eine Pilgerstätte der Städter auf der suche nach etwas Grün, so dass es geradezu verblüffend war, einen so perfekten Strand nicht von Massen bewandert zu sehen. Gleichzeitig wurde mein Vorurteil bezüglich der Servicefreundlichkeit von Ostdeutschen bis in die Grundfesten erschüttert. Hätte ich in Berlin einschlägige Erfahrungen diesbezüglich hinnehmen müssen, entpuppte sich die Ostseeküste als Ort des freundlichen guten Geistes der Servicelandschaft Deutschland. Das fing beim Campingplatz an und hörte im Restaurant auf, wo man uns zuvorkommend leckeren Fisch zu fairen Preisen kredenzte. Im Zelt konnte man vor dem Einschlafen das Rauschen des Meeres hören. Ob es direkt im Zelt war, weis ich nicht genau, aber irgendwann muss ich den Entschluss gefasst haben, so häufig wie möglich an die Ostseeküste zu kommen.

Der Entschluss gilt bis zum heutigen Tage und ich habe ihn nie bereut.

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