Schiffsklos gefährden Wasserqualität der Ostsee
Laut einer Umfrage der Umweltorganisation WWF unter 50 Redereien entsorgen mehr als drei Viertel aller Kreuzfahrschiffe und Fähren ihre Abwässer ungeklärt in die Ostsee. Der dadurch hervorgerufene Zusatz von Phosphaten und Nitraten begünstigt das Pflanzenwachstum, was dem Wasser jede Menge Sauerstoff entzieht. Die Folge davon ist beispielsweise ein vermehrtes Auftreten der Algenpest.
Zwar werden die Schiffsabwässer meist mechanisch vorbehandelt und entkeimt, doch gelangen jährlich immernoch etwa 100 Millionen Klospülungen und 1,6 Milliarden Liter Schmutzwasser aus Duschen und Küchen in die Ostsee. Außerhalb der Zwölf-Meilen-Zone ist es bisher auch nicht verboten, Abwässer auf See zu verklappen. Die veröffentlichten Zahlen klingen bedrohlich. Dennoch mahnt Ostsee-Club24 vor übertriebener Panik. In Anbetracht der Größe der Ostsee entsprechen die vom WWF verbreiteten Zahlen von “100 Millionen Klospülungen” und “1,6 Milliarden Litern Schmutzwasser aus Duschen und Putzeimern” umgerechnet auf die Größe eines Standard-Hallenbades in etwa der Menge einer Träne. Um ein Bad im kühlen Ostsee-Nass braucht man also nicht zu bangen.
Neun der befragten Reedereien hätten sich sogar freiwillig verpflichtet, bereits 2007 auf die Verklappung unzureichend geklärter Abwässer zu verzichten. Von weiteren Unternehmen gibt es bereits positive Signale. Der WWF weist ebenso darauf hin, dass mittlerweile zahlreiche Häfen einen Service anbieten, bei dem das Abwasser abgesaugt werde. Allerdings reichten die Kapazitäten bisher nicht aus, um allen Schiffen die Entsorgung ihres Schmutzwassers zu ermöglichen. Daher ruft der WWF alle ca. 60 Reedereien auf, die Aktion “Saubere Ostsee” zu unterstützen und sich nicht nur zu verpflichten, keine ungeklärten Abwässer mehr von Schiffen in die Ostsee zu leiten, sondern zudem bei den Hafenbetreibern verstärkt zu fordern, bessere Entsorgunseinrichtungen zur Verfügung zu stellen.
Auch Ostsee-Club24 ruft alle Reedereien der Ostsee-Anrainerstaaten dazu auf, sich nicht der Grundlage ihres Geschäftes zu berauben. Dieses basiert nämlich auf einem nicht zu verachtenden Punkt: Und zwar der intakten Natur!
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